Der Artikel untersucht die historische Entwicklung von Visumbefreiungspolitiken in drei ausgewählten OECD-Ländern, den USA, Österreich und Finnland, für den Zeitraum seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Ausgangspunkt ist die Frage, ob im Zuge von Globalisierungsprozessen Mobilitätserleichterungen zugenommen haben oder ob im Gegenteil Grenzen nicht viel selektiver wurden. Dieser Frage gehen wir am Beispiel kurzfristiger Personenmobilität und sich verändernder Visumbefreiungspolitiken nach. Dabei wird deutlich, dass die Untersuchungsländer immer strengere Auswahlkriterien für die Befreiung von der Visumpflicht anwenden, sich also die Selektivität mit der Zeit erhöht. Zudem wird gezeigt, dass politische und ökonomische Faktoren ausschlaggebend dafür sind, welche Länder von einer Visumbefreiung profitieren und dass erweiterte Mobilitätsrechte vor allem an Bürger reicher Demokratien vergeben werden. Zugleich dokumentiert der Artikel zum einen die zunehmende Übereinstimmung der Regelungen zur Visumbefreiung innerhalb der OECD-Welt (Konvergenz) und zum anderen die Asymmetrie der Visumbefreiungen im Verhältnis von OECD-Ländern zu Nicht-OECD-Ländern. Globalisierung ist daher weder als Öffnung noch als Schließung zu interpretieren, sondern als Gleichzeitigkeit von Mobilität und Immobilität, welche vor allem über Regeln des selektiven Zugangs durchgesetzt wird.